Reboarding: So wird die Rückkehr von Mitarbeitern zum Erfolg

STAND 30.06.2023 | LESEZEIT 10 MIN

Sicher haben Sie schon einmal vom Onboarding gehört – eine Einarbeitungsmaßnahme, wenn Mitarbeiter im Versicherungsbüro erstmals ihre Tätigkeit aufnehmen. Das Reboarding ist eine Weiterentwicklung des Onboardings und legt einen klaren Fokus auf Mitarbeiter, die bereits für das Unternehmen tätig waren, aus unterschiedlichsten Gründen jedoch für eine Zeit aussetzen mussten oder anderweitig beschäftigt waren. Auch ein Wiedereinstieg, vor allem nach längerer Zeit, bringt Herausforderungen mit sich – und genau hier setzt das Reboarding an.

Was ist Reboarding?

Für Führungskräfte in Versicherungsbüros und anderen Unternehmen ist es ganz normal, neu ins Unternehmen eintretende Mitarbeiter zunächst einzuarbeiten, um ihnen die Prozesse und Abläufe näherzubringen und in die Aufgabengebiete einzuweisen. Das Reboarding dagegen wird bisher nur selten in Unternehmen angewendet – doch es ist ebenso wichtig, um früheren Kollegen und Mitarbeitern den Wiedereinstieg ins Unternehmen zu erleichtern.

Abhängig davon, wie lange der Mitarbeiter aus dem Versicherungsbüro ausgeschieden war – beispielsweise durch längere Krankheit, Schwangerschaft und Elternzeit oder aufgrund eines Jobwechsels – können sich die Strukturen im Büro deutlich verändert haben. Dasselbe gilt natürlich auch für die Aufgabengebiete und das Team. Durch das Reboarding soll der Wiedereinstieg möglichst einfach gemacht werden, indem der Mitarbeiter eine Wiedereinführung in seine Aufgabenbereiche erhält, die neue Unternehmensstruktur kennenlernt und so auf den neusten Stand gebracht wird.

Welche Situationen erfordern ein Reboarding?

Ist ein Mitarbeiter eine Woche krank, ist im Anschluss natürlich noch kein Reboarding notwendig. Diese Maßnahme bietet vor allem Mitarbeitern Mehrwert, die länger aus dem Unternehmen ausgeschieden waren.

In folgenden Situationen gilt das Reboarding als besonders sinnvoll:

  • Reboarding nach langer Krankheit: Langwierige und schwerwiegende Erkrankungen können häufig über Monate oder sogar Jahre anhalten, bis sich eine Besserung einstellt. Fällt ein Mitarbeiter über diesen Zeitraum aus, fällt der Wiedereinstieg schwer – und das Reboarding kann dabei helfen, schnell wieder zurück ins alte Aufgabengebiet zu finden.
  • Reboarding nach Elternzeit: Während der Schwangerschaft und auch in der anschließenden Elternzeit fallen Mitarbeiter aus – bis zu drei Jahre lang (vgl. § 15 Abs. 2 BEEG). Nach so langer Zeit stellt der Wiedereinstieg eine echte Herausforderung dar, die durch das Reboarding vereinfacht wird.
  • Reboarding nach Arbeitgeberwechsel: Manchmal kommt es vor, dass sich Mitarbeiter aus dem Versicherungsbüro nach einem neuen Job umsehen – und dann nach einer Weile doch wieder zurückkehren. Auch wenn der Mitarbeiter früher schon im Unternehmen angestellt war, ging über die Zeit doch sicher einiges an internem Wissen verloren – umso sinnvoller also, auch hier ein Reboarding durchzuführen.
  • Reboarding nach Stellenwechsel: Offene Stellen im Versicherungsbüro können in einigen Fällen auch unternehmensintern besetzt werden. Kommt es aufgrund eines Stellenwechsels innerhalb des Unternehmens zu neuen Aufgabengebieten für einen Mitarbeiter, so ist ein Reboarding sinnvoll, um eine Einarbeitung in die neuen Aufgabengebiete sicherzustellen.

Warum ist das Reboarding so wichtig?

Viele Arbeitgeber gehen davon aus, dass ein Arbeitnehmer, der länger nicht mehr für das Unternehmen tätig war, schnell wieder zurück ins alte Aufgabengebiet findet. Meist läuft es aber nicht ganz so reibungslos ab, wie es sich die Arbeitgeber wünschen – für viele Angestellte fühlt sich ein Wiedereinstieg wie ein Neustart an.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich über die Zeit hinweg auch im Unternehmen selbst verschiedenste Dinge ändern können:

  • Neue Prozesse: Kein Unternehmen bleibt dauerhaft so, wie es in den Anfängen war. Prozesse werden umstrukturiert, es werden neue Programme eingeführt und die Arbeitsabläufe optimiert. Mitarbeiter, die länger nicht im Versicherungsbüro tätig waren, können davon überfordert sein.
  • Neues Team: Manchmal lässt sich ein gewisses Maß an Fluktuation nicht vermeiden. Ein neues Team stellt Wiedereinsteiger im Beruf vor neue Herausforderungen, sodass zunächst ein Kennenlernen notwendig ist.
  • Andere Aufgaben: Auch Aufgaben innerhalb des Unternehmens bleiben nicht immer gleich. Musste ein Mitarbeiter wegen Krankheit oder Elternzeit länger ersetzt werden, wurden einige Aufgaben möglicherweise an Kollegen übertragen. Bei einem Wiedereinstieg können also auch neue Aufgaben auf Mitarbeiter zukommen, die zuerst erlernt werden müssen.
  • Andere Ziele und Erwartungen: Ein Versicherungsbüro, das dauerhaft erfolgreich sein möchte, passt sich immer wieder dem aktuellen Marktgeschehen an. Das geht mit neuen Zielen einher, aber auch mit einer anderen Erwartungshaltung an die Mitarbeiter. Diese müssen beim Wiedereinstieg kommuniziert werden.

Auch wenn die Vorstellung, dass ein Mitarbeiter schon wenige Stunden nach seiner Rückkehr wieder gänzlich im Versicherungsbüro angekommen ist und die Aufgaben wie früher erledigen kann, für viele Arbeitgeber und Führungskräfte sicher schön ist, entspricht dies nur selten den Tatsachen. Sinnvoller ist es, dem Mitarbeiter mit Reboarding den Einstieg zu erleichtern und so auch langfristig optimale Arbeitsergebnisse sicherzustellen.

Tipps für ein erfolgreiches Reboarding

Es ist aus vielerlei Gründen sinnvoll, beim Wiedereinstieg eines Mitarbeiters auf ein Reboarding zu setzen, um so den Neustart zu erleichtern. Neben besseren Arbeitsergebnissen und einem höheren Maß an Zufriedenheit sollte hier vor allem das sogenannte „Employer Branding“ im Blick behalten werden – denn durch das Reboarding fühlen sich Mitarbeiter wahrgenommen und integriert.

Damit das Reboarding gelingt, sollten einige Tipps beachtet werden:

  • Offene Kommunikation: Erhält der Mitarbeiter ohne zusätzliche Information eine Einarbeitung, könnte er mutmaßlich davon ausgehen, dass Sie ihm nichts mehr zutrauen. Kommunizieren Sie daher klar, dass ein Reboarding stattfindet, um den Einstieg zu erleichtern.
  • Plan erstellen: Im Unternehmen hat sich vieles verändert. Manche Dinge haben Sie als Arbeitgeber vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen, da es sich um einen kontinuierlichen Wandel handelt, der in kleinen Schritten geschieht. Erstellen Sie daher einen Plan, in dem Sie auf alles eingehen, was für den wieder einsteigenden Mitarbeiter relevant sein könnte. Besonders wichtig sind dabei natürlich alle Punkte, die für das Arbeitsfeld des Mitarbeiters relevant sind, aber auch ganz allgemeine Faktoren spielen eine Rolle.
  • Ausreichend Reboarding-Zeit einräumen: Wer nach längerer Zeit wieder im Unternehmen tätig wird, muss sich erst an die Situation gewöhnen. Das erfordert Zeit – und Einarbeitung. Lassen Sie Ihrem Mitarbeiter daher genug Freiraum und bleiben Sie geduldig, damit sich alte Routinen wieder etablieren können.
  • Ansprechpartner: Auch nach einem detaillierten Reboarding können offene Fragen aufkommen. Bleiben Sie als Ansprechpartner erreichbar! Alternativ können Sie natürlich auch einen Mentor innerhalb des Unternehmens ernennen, der dem rückkehrenden Mitarbeiter in den ersten Wochen mit Rat und Tat zur Seite steht.

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