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Diversity Management im Unternehmen – mit Vielfalt zum Erfolg
STAND 06.01.2023 | LESEZEIT 8 MIN
Das gezielte Fördern der Vielfalt im Unternehmen bezeichnet man als Diversity Management. Diese Unterform der Personalführung bezieht sich vor allem auf den sozialen, kulturellen und ethnischen Hintergrund der Mitarbeiter – und kann, richtig eingesetzt, dem Unternehmen viele Vorteile bringen. Je mehr Angestellte ein Unternehmen hat, desto größer sind in den meisten Fällen auch die Unterschiede. Diese Unterschiede zu erkennen und gewinnbringend einzusetzen, ist die Idee hinter Diversity Management.
Was ist Diversity Management?
Diversität gehört automatisch zu jedem Unternehmen hinzu, in dem mehrere Mitarbeiter arbeiten. Jeder Mensch hat im Verlauf seines Lebens andere Erfahrungen gemacht – schon das ist die Grundlage für Diversität. Neben den sozialen Hintergründen spielen aber auch verschiedene Kulturen und Ethnien eine wichtige Rolle, wenn es um Diversität geht. Diversity Management bedeutet also, diese Unterschiede wahrzunehmen und so einzusetzen, dass sie dem Unternehmen Vorteile bringen.
Die Theorie, die hinter dem Diversity Management steht, ist also denkbar einfach: Wo viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen arbeiten, sind auch verschiedene Herangehensweisen an Probleme möglich. Und das ganz einfach aus dem Grund, dass Probleme auf unterschiedliche Art gelöst werden können, abhängig davon, welche Erfahrungen die Person sammeln konnte.
So bietet Diversity Management als Form der Personalführung viel Potenzial, vor allem im Hinblick auf innerbetriebliche Konflikte, aber auch für das Recruiting oder die Internationalisierung des Unternehmens.
Damit das gelingt, müssen zunächst die Grundlagen für Diversität im Unternehmen geschaffen werden. Vielfalt kann nämlich einiges bedeuten:
- Innere Diversität: Unter diesem Begriff fasst man Unterschiede im Alter, dem Geschlecht, dem Bildungsgrad, der ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Orientierung oder auch möglichen Behinderungen zusammen.
- Äußere Diversität: Diese Form der Diversität wird durch äußere Faktoren beeinflusst. Dazu zählen zum Beispiel verschiedene Einkommensklassen, Ausbildung und Berufserfahrung der Mitarbeiter, Familienstand und Elternschaft, aber auch ganz persönliche Hobbys und Interessen, Gewohnheiten und der Wohnort der Mitarbeiter.
Diversity Management bezieht sich also nicht nur darauf, die diversen Hintergründe der Mitarbeiter im Unternehmen gezielt einzusetzen, sondern auch bei der Personalsuche aktiv darauf zu achten, ein möglichst diverses Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen einbringen können. An einigen Stellen lässt sich dies bereits bewusst wahrnehmen: Viele Unternehmen schreiben in Stellenanzeigen nicht mehr nur männliche und weibliche Geschlechtsbezeichnungen, sondern wählen die Angabe (m/w/d), um das berufliche Umfeld auch für geschlechtsdiverse Menschen zu öffnen. Auch die bevorzugte Suche nach Menschen mit Behinderung ist ein Bestandteil des Diversity Managements.
Wie hat sich Diversity Management entwickelt?
Diversity Management diente ursprünglich als Instrument, um Diskriminierung im Bewerbungsverfahren zu vermeiden und innerhalb des Teams für mehr Toleranz zu sorgen. Schnell war jedoch klar, dass Diversity Management weit mehr Potenzial bietet als zunächst angenommen. Unternehmen, die früh auf Diversity Management gesetzt haben, konnten innerhalb des Betriebes feststellen, dass die unterschiedliche Herangehensweise der vielfältigen Mitarbeiter einen immensen Wettbewerbsvorteil darstellen. Und nicht nur das, denn durch äußere Faktoren wie Globalisierung, demografischer Wandel und Markterweiterung wird in vielen Bereichen auch der Kundenstamm diverser, sodass entsprechende Mitarbeiter zur Verfügung stehen müssen, um auf diese veränderten Ansprüche der Kunden zu reagieren – oder den Kundenstamm sogar gezielt auszuweiten. Kurz gesagt: Je facettenreicher das Team, desto größer das Wissen über die Wünsche und Bedürfnisse der unterschiedlichen Kunden.
Wieso ist Diversity Management für Unternehmen so wichtig?
Glassdoor, eine der größten Recruiting-Plattformen weltweit, hat im Jahr 2019 eine Studie zum Thema Diversität und Inklusion in Unternehmen veröffentlicht, die klare Ergebnisse zeigt: 67 % aller Befragten gaben im Rahmen der Studie an, dass ihnen Diversität im Unternehmen wichtig ist. Die Chance, Bewerbungen von echten Talenten zu erhalten, steigt also signifikant mit mehr Diversität im Unternehmen. Ferner zeigte sich im Rahmen der Studie, dass Unternehmen, die bereits auf Diversity Management setzen, rund 33 % erfolgreicher als andere Unternehmen sind und sich mit einer deutlich höheren Chance zu Branchenführern entwickeln. Diversity Management spielt für Mitarbeiter und Unternehmen also eine tragende Rolle.
Aber auch die unmittelbaren Vorteile liegen auf der Hand. Stellen Sie sich vor, Sie möchten mit Ihrem Unternehmen einen neuen Kundenkreis erschließen – beispielsweise im Ausland. Was hilft Ihnen dabei, dieses Ziel zu erreichen? Im besten Fall haben Sie eine oder mehrere Personen im Team, die sich mit den kulturellen Anforderungen im Zielland auskennen und Ihnen so bei der Expansion mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Welche Vorteile bietet Diversity Management im Unternehmen?
Damit Diversity Management wirklich Vorteile für das Unternehmen bringt, sollte ein Teilbereich der Personalführung den Fokus auf die gezielte Steuerung der unterschiedlichen Hintergründe legen. Heißt konkret: Es reicht nicht aus, gezielt Mitarbeiter mit diversen Hintergründen im Unternehmen einzustellen und darauf zu hoffen, dass diese sich eigenständig integrieren. Sinnvoller ist es, die unterschiedlichen Hintergründe zu erkennen und im Unternehmen so einzusetzen, dass sie wirklich Vorteile bringen.
Die möglichen Vorteile von Diversity Management für das Unternehmen sind:
- Einblick in unterschiedliche Kulturkreise, um so das Verständnis zu fördern und die Bedürfnisse zu erkennen
- Unterschiedliche Perspektiven im Unternehmen einbringen, um den Blickwinkel zu verändern
- Den Kundenservice durch Mehrsprachigkeit etc. verbessern
- Raum für innovative Ideen und Gedanken schaffen, die durch unterschiedliche Blickwinkel ermöglicht werden
- Forschung, Entwicklung und Vertrieb durch unterschiedliche Erfahrungen verbessern
- Mehr Perspektiven auf betriebsinterne Prozesse generieren, um die Abläufe zu verbessern
- Ausbau und Festigung von Geschäftsbeziehungen, Kooperationen oder Kundenstämmen
- Internationalisierung des Unternehmens, Erschließung neuer Märkte und damit eine Steigerung des Exports für mehr Unternehmenserfolg
Aber: Nicht nur für das Unternehmen gibt es viele Vorteile, denn auch Mitarbeiter profitieren vom Diversity Management.
So zeigen sich weitere Erfolge innerhalb des Unternehmens:
- Toleranz und Verständnis innerhalb des Teams verbessert sich
- Das Arbeitsumfeld bietet Entwicklungsspielraum für alle Mitarbeiter
- Auch Mitarbeiter abseits der Norm fühlen sich im Unternehmen wohl und geschätzt
- Mitarbeiter bleiben aufgrund der Zufriedenheit länger im Unternehmen, die Fluktuation sinkt
- Die verschiedenen Kulturen beeinflussen den Berufsalltag und lassen Einblicke in andere Gepflogenheiten zu
- Das Image des Unternehmens verbessert sich, sodass sich mehr Menschen bewerben – darunter auch echte Talente
Wie setzt man Diversity Management im Unternehmen richtig um?
Diversity Management im Unternehmen setzt immer die Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Führungskräften voraus. Grundsätzlich ist die Thematik in der Personalverwaltung angesiedelt und sollte u. a. beim Recruiting und der Mitarbeiterauswahl, aber auch der Positionierung der Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens eine Rolle spielen. Diversity Management gelingt allerdings nur, wenn wirklich alle Mitarbeiter des Unternehmens zu diesem Ziel zusammenarbeiten.
Daher hat sich in den letzten Jahren ein konkreter Plan entwickelt, mit dem die Umsetzung des Diversity Managements im Unternehmen vereinfacht werden soll:
- Grundlagen schaffen: Bevor das Diversity Management umgesetzt werden kann, müssen zunächst die Grundlagen geschaffen werden. Die wohl wichtigste Grundlage ist das Einverständnis der Führungsetage. Nur wenn die Neuorientierung der Unternehmenskultur auch Unterstützung durch die Führungskräfte erhält, lässt sie sich gewinnbringend im Unternehmen einsetzen. Bestehen hier Bedenken oder Sorgen, sollten diese zuvor ausgeräumt werden, um Konflikte innerhalb des Unternehmens – oder sogar Diskriminierung – zu vermeiden.
- Ziele setzen: Bevor Sie sich an die Umsetzung des Diversity Managements machen, sollten Sie zunächst die Ziele festlegen, die Sie sich von diesem Schritt erhoffen. Dabei geht es vor allem darum, bestehende Stärken zu analysieren und die Schwächen im Unternehmen festzustellen, um mit einer sorgsamen Mitarbeiterauswahl gegen die Schwächen vorzugehen und die Stärken zu festigen.
- Konkrete Maßnahmen ergreifen: Haben Sie die Ziele des Diversity Managements festgelegt, folgt nun das Festlegen konkreter Maßnahmen. Die Analyse der Stärken und Schwächen des Unternehmens gibt hier schon einen ersten Einblick, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht. Als konkrete Maßnahme bieten sich verschiedenste Ideen an:
- Anpassung der Speisen in der Kantine, um alle Kulturen und Mitarbeiter zu bedienen (vegetarisch, vegan, koscher, Alternativen zu Schweinefleisch…)
- Trainings und Coachings für mehr Toleranz und Offenheit
- Regelmäßige Besprechungen innerhalb des Teams, um Probleme offen ansprechen zu können
- Veränderungen der Recruiting-Prozesse, um gezielt Diversität im Unternehmen zu steigern
- Neue Arbeitszeitmodelle, um auch Familien und alleinerziehenden Mitarbeitern gerecht zu werden
- Arbeitsplätze alters- und behindertengerecht umgestalten, um so die Diversität zu steigern
- Steigerung interkultureller Kompetenzen
- Räume zum Ausüben religiöser Traditionen anbieten
- Einen Gleichstellungsbeauftragten einstellen oder ernennen
- Die betriebsinterne und betriebsexterne Kommunikationsstrategie an mehrere Kulturen anpassen
- ...und viele weitere Möglichkeiten
- Aufgaben verteilen: Diversity Management kann nicht von einer Person allein getragen werden, insbesondere bei größeren Unternehmen. Damit die Umsetzung gelingt, müssen die Aufgaben also ordnungsgemäß verteilt werden. So sollte HR- oder Recruiting-Abteilung für die diskriminierungsfreie Formulierung der Stellenanzeigen zuständig sein, während das Schaffen einer neuen Stelle für Gleichstellungsbeauftragte im Unternehmen eher zum Aufgabenfeld der Führungsetage gehört. Achten Sie darauf, dass die Aufgaben und Kompetenzen so verteilt werden, dass das Diversity Management in allen Bereichen Beachtung erhält.
- Erfolge kontrollieren: Es gibt einige Merkmale, mit denen sich der Erfolg der Maßnahmen im Unternehmen beurteilen lässt. So sollten Sie die Fluktuationsraten der letzten Jahre heranziehen und mit den Zahlen nach Einführung des Diversity Managements vergleichen, um erste Erfolge zu sehen. Auch Mitarbeiter- und Kundenbefragungen können dabei helfen, die Erfolge des Diversity Managements zu messen.
Woran kann das Diversity Management scheitern?
Diversity Management bietet nicht nur viel Potenzial für das Unternehmen, sondern kann auch zu echten Schwierigkeiten führen, wenn es nicht adäquat durchgeführt wird. Wenn unterschiedliche Kulturen, Hintergründe und Einstellungen aufeinandertreffen, kann es zu Konflikten innerhalb des Teams kommen. Achten Sie in der Personalführung darauf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die Toleranz und Offenheit im Unternehmen zu steigern und Verständnis zu schaffen. Hier können auch gezielte Coachings helfen, um Diskriminierung zu verhindern. Kommunizieren Sie klar, warum eine Stelle mit einer bestimmten Person besetzt wurde – mit Fokus auf Fähigkeiten und Talent. Mitarbeiter sollten nicht den Eindruck haben, dass bestimmte Stellen nur aufgrund einer Diversitätsquote besetzt wurden. Auch Machtspiele und Mobbing gilt es rigoros zu unterbinden, um die Harmonie im Unternehmen zu wahren und Konflikte zu vermeiden.
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